Gewaltfreie Kommunikation & Systemaufstellungen
Roland Eggert

Kommunikationstraining, Familienaufstellungen, Einzel- und Paarberatung, Autonomietraining, TRE®, Begleitung von Teamentwicklungs- und Entscheidungsprozessen

  • Dipl. Sozialpädagoge (FH)
  • Trainer Fachverband Gewaltfreie Kommunikation®
  • Familientherapeut (SG)
  • NLP-Practitioner
  • SK-Moderator (Systemisches Konsensieren)
  • TRE® – Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE-Provider in Ausbildung)

 

Meine Angebote

Seminare Gewaltfreien Kommunikation in Erfurt, Thüringen
Moderation und Begleitung von Teamentwicklungsprozessen und Teamentscheidungen
TRE® – Tension & Trauma Releasing Exercises
Familienaufstellungen in Erfurt
Konfliktmanagement
Autonomietraining
Einzel- und Paarberatung
Supervision

Autonomieaufstellungen

24.09.2018

Autonomieaufstellungen in Erfurt

Alle Lebenwesen wollen frei und selbstbestimmt leben. So ist neben unserem Bedürfnis nach Zugehörigkeit/Gemeinschaft unser Bedürfnis nach Selbstbestimmung/Autonomie die am stärksten wirkende Kraft in uns. Sie ist die Voraussetzung, um unsere Potentiale voll entfalten und selbstbewusst, gesund, authentisch und frei leben zu können. Ist unsere Autonomie bedroht, blockiert, eingeschränkt oder wird sie durch andere verhindert, brauchen wir eine gesunde Aggression, um uns schützen, abzugrenzen oder wieder befreien zu können. Bei sehr starken Blockaden (Traumata) brauchen wir dazu eine gezielte und gekonnte Hilfe von außen. Ohne dem bleiben wir in der Blockade (Lähmung, negative Verhaltensmuster, Glaubensätze, Krankheitsmuster) stecken.

Um hier wirkungsvoller arbeiten zu können, habe ich meine Aufstellungsarbeit in den letzten Jahren sehr stark vom Familienstellen in Richtung Autonomieaufstellungen verändert. Das ist ein eigenes Format. Es wurde von Dr. Ero Langlotz aus München entwickelt.


Das eigene, souveräne, gesunde Selbst steht im Fokus der Aufstellung 

Während in einer Familienaufstellung oft für einzelne Familienangehörige (oder sogar für die gesamte Familie) nach guten Lösungen gesucht wird, geht es in einer Autonomieaufstellung um die Identifizierung und Herauslösung (Abgrenzung) aus symbiotischen Mustern mit einzelnen Familienangehörigen und um Auflösung der Symbiose (Festhalten, Aufrechthalten) mit persönlichen schmerzhaften Erfahrungen, durch die negative Glaubensätze, Einengungen, Blockaden usw. entstanden sind. Fast immer geht es hierdurch auch den anderen besser.

Als wichtige Hilfsmittel werden dafür das eigene erwachse, gesunde Selbst, das Kindheits-Selbst und bei Gewalterfahrungen auch das Körper-Selbst mit aufgestellt. In der Aufstellung wird nun deutlich, wie stark die Selbstentfremdung ist und was uns blockiert, ganz Ich-Selbst zu sein. Durch gezielte und vielfach erprobte Schritte, wird nun die Abgrenzung zum Trauma bzw. zu symbiotischen Verstrickungen - und eine klare Verbindung mit uns Selbst hergestellt.

Verlust der Autonomie durch Symbiosemuster (unzureichende Abgrenzung oder Überabgrenzung)

Symbiosemuster sind gekennzeichnet durch eine unzureichende Abgrenzung und durch Überabgrenzung.

Für ein Kind ist es sehr schwer bis unmöglich, sich gegenüber dem Schmerz, der Angst und der ungelösten Trauer von Familienangehörigen abzugrenzen. Traumatisierte Erwachsene neigen zur Gewalt, zur Kontrolle, zu Manipulationen (Macht über andere) oder sind für ein Kind emotional nicht erreichbar, was wiederum ein Einsamkeitstrauma für das  Kind zur Folge haben kann. Da wir in einer traumatisierten Gesellschaft leben ist vermutlich kaum eine Familie davon frei. (Trauma = Verlust bzw. Einschränkung der Autonomie = Selbstentfremdung).

Zum Verlust unserer Autonomie führen jedoch nicht nur Symbiosemuster, sondern auch selbsterlebte Traumata. Schon allein der ungeheure Anpassungsdruck, den fast jedes Kind zu Hause, in einer Kita und in der Schule ausgesetz ist, hat oft die Wirkung, dass wir uns anpassen, uns vergessen und uns selbst verlieren (die eigene Vitalität, Selbstbehauptung, Echtsein, Neugierde, ...). Dazu können Geburtstrauma, Einsamkeitstrauma, Gewalttrauma oder ein Überforderungstrauma kommen, um nur einige aufzuzählen. Jede schmerzhafte Erfahrung, die wir verdrängen mussten, blockiert uns später ein Leben lang, wenn sie nicht emotional aufgelöst und verabschiedet wird.

In einer Autonomieaufstellung werden auch diese Traumata identifiziert und aus unserem Körper und unserem Bewusstsein verabschiedet.

Das alles darf vorbei sein oder zurücktreten, wenn wir mit uns selbst in Verbindung sind. Autonomieaufstellungen zeigen sehr klar den Weg aus diesem Dilemma hin zu uns selbst!


„Erkenne dich Selbst!"

Autonomieaufstellungen bringen uns mit uns Selbst, mit unserem unendlichen Wert und unseren Potentialen in Verbindung

Doch getrennt von uns selbst, sind wir einsam. Dann suchen wir uns selbst in anderen Menschen, halten an ihnen fest, wollen für sie wichtig sein und heimlich über sie bestimmen (Partner, Kinder, Eltern, Freunde, etc.). Das führt zu Enttäuschungen. Dann suchen wir uns selbst in Dingen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Doch unser Selbst ist durch nichts ersetzbar, die Selbstzweifel werden eher größer. Auch viele Reisen, übermäßiger Genuss, viele Bücher, eine besondere Spiritualität, Leistungen, um geliebt zu werden, Rückzug und Einsamkeit oder Kontrolle und Macht über andere, erweisen sich als Irrwege, Sicherheit und Halt im Leben zu finden.

Kommen wir mit uns selbst in eine tiefe Verbindung, erkenen wir unseren Wert, wir brauchen uns nicht mehr von außen vergolden zu lassen, der Stress kann aufhören, wir sind in uns selbst zu Hause und  gut genug, genau so wie wir sind. Wir leben in Frieden mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen.


Autonomieaufstellungen bewirken, dass wir uns selbst klarer und deutlicher abgrenzen können!

Und das ohne Schuldgefühle. Die Fähigkeit zur Abgrenzung ist eine zentrale Fähigkeit, um selbstbestimmt leben zu können! Erst dann können wir auf Augenhöhe in erfüllenden Beziehungen mit anderen leben - ohne Überabgrenzung und ohne Macht über andere. Damit dies gelingt, erarbeiten wir uns  in der Aufstellung erneut den Zugang zu unserer gesunden Aggression. Oft musten wir uns diese in der Kindheit verbieten (Aggressionsverbot). Verbunden mit unserem gesunden Aggressionspotential schützen wir uns automatisch gegenüber Manipulationen und Machtansprüchen anderer.

Autonomie bedeutet Selbstbehauptung, Selbstliebe, Selbstverantwortung und Selbstvertrauen.

Es bedeutet auch, zu wissen, wer man selbst ist, was wichtig ist und wofür wir zuständig sind. Ohne dem überfordern wir uns, sind wir oft orientierungslos und erschöpft. Wir enden in einer Depression oder im Burnout. Doch in uns selbst zu Hause, sind wir durchschnittlich gesund, innerlich ruhig und sehr kraftvoll! 


Autonomieaufstellungen helfen, unbewusste, tiefe innere Konflikte und Blockaden zu lösen und alte Wunden zu heilen.

Wir haben dann unsere Energie und Lebensfreude für die anstehenden Aufgaben im Alltag zur Verfügung. Erleben uns den Herausforderungen des Alltags gewachsen und können sie kreativ lösen. Überwiegend glückliche Partnerschaften und beruflicher Erfolg sind dann kein Zufall, sondern selbstverständlich. 

Mehr dazu habe ich auf meiner Website geschrieben. Sie können gerne als Hospitant/Darsteller zu meinen Aufstellungsseminaren kommen, um meine Arbeit und dieses Aufstellungsformat kennenzuleren.

Roland Eggert

Warum, Weshalb, Wieso?

 20.08.2018

Bin ich von der „Gewaltfreien Kommunikation – der Sprache des Lebens“ absolut begeistert!?

  • Weil alle Menschen und alle Lebewesen am liebsten frei, selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben wollen (Autonomie)!
  • Und wir Menschen wollen Gemeinschaft, denn wir brauchen auch einander!
  • Die Tiefe und die Art der Gemeinschaft wollen wir jedoch mitbestimmen und mitgestalten können, sonst ist Autonomie nicht gewährleistet.
  • Durch Kooperation, Austausch, gegenseitige Unterstützung, Hilfe in der Not, Vorbildwirkung, machen wir das Leben einander reich und sicher!
  • Nur in Gemeinschaft und Freiheit können wir wachsen und unsere Potentiale entfalten. Darin erfahren wir die größte Erfüllung und das größte Glück!

Wir alle wollen frei sein und lieben können! Damit ist die Voraussetzung für ein glückliches Miteinander tief in uns Menschen angelegt. Der Rest ist Lernaufgabe.

"Ich bin Leben, das leben will.
Inmitten von Leben, das leben will."
Albert Schweitzer

Ich stimme den folgenden Grundannahmen Dr. Marshall Rosenbergs über uns Menschen zu:

  • Menschen unterstützen grundsätzlich sehr gerne andere Menschen! Das ist jedoch an Voraussetzungen gebunden.
    -  Wir dürfen dazu nicht gezwungen werden. Denn wir unterstützen nur gerne, wenn wir dies aus freiem Willen und im Rahmen unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten tun können.
    -  In dem Maße, wie wir den Sinn bzw. die Not für die erforderliche Unterstützung erkennen, wächst auch unsere Bereitschaft zur Unterstützung.
    -  Wir brauchen die Sicherheit, dass auch wir Unterstützung bekommen, wenn wir sie brauchen. Wenn uns jemand „hängen lässt“, vergeht auch uns die Lust ihn/sie zu unterstützen.
  • Jeder Mensch verfügt über ein hohes Potential an Ressourcen und Fähigkeiten zur Erfüllung seiner Bedürfnisse und der Bedürfnisse anderer.
  • Aggressives Verhalten ist der Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse und der Hinweis auf eine große, innere Not.
     

Was macht mich sicher, dass das Modell der Gewaltfreie Kommunikation das Potential hat, Wegweiser in ein Leben zu sein, das von Freiheit, Miteinander und Wertschätzung gekennzeichnet ist?

Das GFK-Modell ist eine Beschreibung von ständig ablaufenden natürlichen Prozessen, die wir bewusst oder unbewusst praktizieren, wenn es uns mit uns selbst und in unserem Miteinander gut geht. Rosenberg hat hier lediglich genau hingeschaut und sie beschrieben. Dadurch können wir Stagnationen und Störungen dieser Prozesse bewusst beenden und die „Struktur“ lebensdienlicher Prozesse erlernen, anwenden und lehren. Ich gehe nachfolgend kurz auf die einzelnen Schritte ein:

  • Der erste Schritt des Modells, will uns bewusstmachen, wie wichtig es ist, bei den Beobachtungen und Fakten zu bleiben. Interpretationen, Unterstellungen, Bewertungen, Verallgemeinerungen usw. machen sofort auch unser eigenes(!) Leben schwer. Wir halten unsere Phantasien für die Wirklichkeit und reagieren darauf, als wären sie die Wahrheit. Durch ungeprüfte Interpretationen entfernen wir uns von der Wirklichkeit und schaffen zuerst uns selbst Probleme. Die GFK gibt uns hier praktische Hilfestellungen, wie wir unser Bewusstsein hierfür schulen und unser Denken ändern können. Schon das allein wird eine große Erleichterung bringen!

    Wir lernen auch, wie wir anderen helfen können, wenn sie sich in Bewertungen oder Interpretationen verstrickt haben, zur Realität zurück zu finden.
    Zusätzlich lernen wir uns gegen Vorwürfen, Unterstellungen, Abwertungen, Manipulationen klar abzugrenzen, gelassen damit umzugehen und den Hilferuf dahinter als ein Beziehungsangebot zu nutzen.

Die Voraussetzung für gesunde Beziehungen ist die Fähigkeit zu einer gesunden Aggression.

Ohne diese sind wir zu sehr angepasst. Sagen ja, obwohl wir nein meinen. Schützen und entwickeln unser Eigenes zu wenig. Sind in Koflikte schnell sprachlos, erst Stunden später kommen die rettenden Gedanken - zu spät. In uns ist Dauerstress. Auch den Zugang zu einer gesunden Aggression können wir uns zurück erobern oder erlernen. Sie ist in uns angelegt. Damit fällt es dann leichter, zu erkennen, wofür wir zuständig sind und wofür nicht. Mit einem klaren Zugang zu einer gesunden - und das bedeutet, wenn es sein muss auch sehr kraftvollen Aggression -  können wir uns klar abgrenzen, uns schützen und dadurch uns selbst Sicherheit im Alltag geben. Hierfür ist das Autonomietraining eine zusätliche, sehr wertvolle ergänzende Methode. Insbesondere bei postraumatischen Belastungstörungen, dauerhaftem Stress, Burnout, Depressionen und innerer Blockaden jeglicher Art, halte sich sie für indiziert. Unser Selbstvertrauen, die Fähigkeit eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, werden dardurch zusätzlich gefördert und bekommen eine solide Grundlage. Damit bin ich auch beim nächsten Schritt:

  • Im zweiten Schritt schauen wir nach Innen. Was sind meine Gefühle? Welche Funktion haben sie eigentlich? Kann ich über meine Gefühle die Bedürfnisse in mir klar wahrnehmen? Bin ich sicher mit meinen Gefühlen, mit den sehr angenehmen, mit den sehr subtilen und auch mit den schmerzhaften vertraut? Ist mir bewusst, dass meine Gefühle mir genau sagen wollen, was jetzt für mich wichtig ist!? Habe ich Verbindung zu meiner Aggression, zu meiner Trauer, zu meiner Angst, zu meiner Freude, Liebe und Dankbarkeit?

    In unserer Kultur haben nur wenige Menschen von klein an Unterstützung beim Erlernen der „Sprache“ ihrer Gefühle erfahren. Woher auch, wenn sich weder zu Hause damit wirklich auskannte, noch Platz in der Schule dafür war. Doch unsere Gefühle wollen „sagen“, was das Leben in uns im Augenblick braucht. Dazu lernen wir in der GFK echte Gefühle von sogenannte Scheingefühlen und Sekundärgefühlen zu unterscheiden und auch sehr schmerzhaften Gefühle, wie Trauer, Wut, Scham, Depression zu verstehen und achtsam mit ihnen umgehen.

Gefühle sind Ausdruck unserer Bedürfnisse. Gefühle machen ohne Bedürfnisse keinen Sinn. Kein Mensch kann einem anderen Menschen Gefühle machen. Unser Organismus macht sie auf Grund seiner augenblicklichen Bedürfnisse.

  • Im dritten Schritt geht es um unsere konkreten Bedürfnisse.
    Es ist sehr wichtig, diese von Strategien unterscheiden zu können! Wenn wir Menschen Probleme miteinander haben, ist (fast) immer die Ursache dafür, dass wir Bedürfnisse mit Strategien verwechseln. Wenn wir uns unsere Bedürfnisse bewusst machen, entsteht Verbindung und Verständnis. Beharren wir auf unsere Strategien, entstehen Trennung und Konflikte. Diese tiefe Einsicht von M. Rosenberg will körperlich erfahren und verstanden werden. Wer nur einen kognitiven Zugang sucht oder kennt, weiß es nicht. Diese Erfahrung kann ich immer wieder neu machen und bei meinen Seminarteilnehmer/innen beobachten.
  • Die GFK will uns helfen, uns selbst besser kennenzulernen und in Verbindung zu kommen mit unserem Körperwissen und unserer eigenen Weisheit! Wir brauchen bei weitem nicht für alles einen Psychologen oder Seelsorger. Jeder kann selbst sein Therapeut werden.

„Konflikte entstehen nicht auf Grund unserer Bedürfnisse, sondern auf Grund unserer Strategien zur Erfüllung unserer Bedürfnissen“ M. Rosenberg.

Wenn ich mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen vertraut bin, bin ich es auch mit mir – oder ich bin mir selbst fremd. Dann bin ich innerlich ruhig, gelassen mit einer inneren Freude ohne äußeren Grund - oder ich bin in ständiger Anspannung und innerer Unruhe mit der Aussicht auf Burnout, Depression, Konflikte und Krankheiten.

Der vierte Schritt: Bitten oder Forderungen?

Im 4. Schritt lernen wir verschiedene Formen von Bitten kennen. In der ersten Form geht es darum, wie ich gezielt für Klarheit und Verständnis in unserer Beziehung sorgen kann.  Was hat der andere verstanden? Was habe ich verstanden? Ist es auch das, was wir einander gesagt haben oder sagen wollten? Hier geht es auch um ein wertschätzendes und objektives Feedback – ohne zu verletzen. Denn zuerst kommt, das Verständnis, die Verbindung – und dann kommt die Suche nach gemeinsamen Lösungen und das Handeln. Vernachlässigen wir diese Lebensweisheit, ist schnell „Sand im Getriebe“, es wird anstrengend im Miteinander. Missverständnisse und Konflikte sind vorprogrammiert. Im Alltag ist es leider oft so, dass wir bei Problemen zu schnell mit Lösungen aufwarten, ohne nach den jweiligen Bedürfnissen zu fragen. Damit kreieren wir Konflikte.

Dann geht es um konkrete Handlungen, um die wir einander bitten. In den Seminaren beschäftigen wir uns mit fünf Merkmalen einer Bitte, die die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Bitte gerne erfüllt wird, deutlich erhöhen. Hier bekommen wir hilfreiches Werkzeug für den Alltag in die Hand. Hier wird auch unsere innere Haltung deutlich und kommt auf den Prüfstand:

Bitte ich oder fordere ich?

Kein Mensch hat Lust, Menschen, die Forderungen stellen, Druck ausüben oder manipulieren, zu unterstützen.

„Woran erkennst du den Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung?“, fragt Marshall Rosenberg. Seine Antwort: „Wenn du eine Bitte äußerst und der andere sagt Nein, und du bist sauer, war es eine Forderung.“ Diese Frage hatte bei mir damals eine Erschütterung ausgelöst. Denn mir wurde mit Schrecken bewusst, wie fordernd ich oft gegenüber meinen Kindern war. Doch gerade Forderungen gegenüber Schwächeren und Menschen, die von uns abhängig sind, lösen Angst, Schuldgefühle, Selbstzweifel, Ärger und Trennung aus.

Heute finde ich diese Fragestellung für den Selbsttest im Alltag als sehr hilfreich. 

"Wer keine Bitte äußert, nimmt seinen Platz in diesem Leben nicht ein. Wer eine Forderung äußert, gewährt anderen ihren gleichberechtigten Platz nicht."  M. Rosenberg

Liebesfähiger werden wir nur durch Liebe

Leider sind Schuldzuweisungen, Beschämung, Liebesentzug, Drohungen und Bestrafungen in unserer Gesellschaft ein sehr weitverbreitetes Mittel, um Kinder den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Oft mit der Rechtfertigung „ich meine es doch nur gut mit dir“, „das muss so sein“, „Kinder haben zu gehorchen“, „ich musste auch gehorchen“ usw. Auch ich habe davon rege Gebrauch gemacht und fast immer war mir dies gar nicht bewusst oder ich hatte zumindest einfach keine andere Idee, wie es anders gehen könnte, wenn ich selbst im Stress und in Not war. So bin ich aufgewachsen, so habe ich es gelernt und so habe ich es selbst praktiziert. Auch zwischen Erwachsenen geht es oft um Macht, Schuld und Rechtfertigungen. Doch inzwischen ist mir absolut klar, liebesfähiger werden wir nur durch Liebe. Diese Liebe kann auch bedeuten, sich klarer abzugrenzen, andere frei zu geben, sie zu achten, wie sie sind. Die volle Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ist oft nicht einfach und ist oft Voraussetzung um auch andere in ihrer Verantwortung zu lassen. Dies wird mitunter als Härte oder gar Kälte empfunden, zum Beispiel wenn jemand eine Co-Abhängigkeit beendet. Doch in Wirklichkeit ist nun auch der andere frei, sich hundertprozentig um sich zu kümmern, denn er braucht niemanden mehr was recht machen. Nur so kann jeder wachsen. Mehr dazu habe ich in meinem Artikel über Autonomie geschrieben.


Wertschätzung und Dankbarkeit vollständig ausdrücken

Die GFK wird oft als ein Weg verstanden, wie wir Konflikte vorbeugen oder sie lösen können. Das Potential der GFK ist jedoch viel größer!

Wir leisten alle sehr viel und erfahren sehr viel Unterstützung. Wir bereichern das Leben allein durch unser Dasein! Das geht viel zu oft unter, ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen und würdigen. Mitunter wird ein Lob geäußert, doch Lob kann schnell manipulativ wirken und sagt auch nur wenig über den Sender des Lobes aus. Auch beim Loben spreche ich mehr über den anderen, bewerte sie und teile nichts oder nur wenig von meinen schönen Gefühlen und Bedürfnissen, die durch das Verhalten anderer unterstützt wurden, mit.

Wertschätzung und Dankbarkeit vollständig ausdrücken hat in den GFK-Trainings einen besonderen Raum und Wert! Hier üben wir uns in Selbstwertschätzung und Wertschätzung für andere. Hier wird eine Kultur der Wertschätzung gefördert – ehrlich, ohne Übertreibung oder Ironie. Dies nährt Vertrauen und die Freude an Unterstützung und am Miteinander. Das Potential, das hier auf uns wartet ist gar nicht vorstellbar.  


Die Kunst des Zuhörens

Eine gelungene Kommunikation besteht wenigstens zu 50 % aus Zuhören! Die Kunst des Zuhörens will geübt werden. Kein Mensch kann sie sofort. Leider hat diese wichtige Alltagsfähigkeit kaum Raum in unserer Erziehung. Zuhören wurde in Schulen und von Erwachsenen missbraucht, um sicher zu stellen, dass andere genau das machen und lernen, was man sich wünscht. Die hier Geschädigten haben es dann später genauso gemacht.

Durch Zuhören entsteht Verbindung und Verständnis. Erst durch Zuhören ist ein Miteinander möglich. Doch auch Zuhören ist ein Kind der Freiheit und darf nicht erzwungen werden. Und es ist ein Geschenk für den, der es erfährt. In den GFK-Seminaren üben wir dies gezielt, machen Fallen und Stolpersteine bewusst (Ratschläge, Belehrungen, Verbünden, Mitleid, eigene Geschichten erzählen, …) und genießen es, wenn uns jemand zuhört. Das hat Carl Rogers, der Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie und einer der Väter der humanistische Psychologie sehr schön ausgedrückt:

"Wenn dir jemand wirklich zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dass er den Versuch macht, die Verantwortung für dich zu übernehmen oder dich nach seinem Muster zu formen - dann fühlt sich das verdammt gut an. Jedes Mal wenn mir zugehört wird und ich verstanden werde, kann ich meine Welt mit neuen Augen sehen und weiterkommen. Es ist erstaunlich, wie scheinbar unlösbare Dinge doch zu bewältigen sind, wenn jemand zuhört. Wie sich scheinbar unentwirrbare Verstrickungen in relativ klare, fließende Bewegungen verwandeln, sobald man gehört wird."  (Carl Rogers)

Kritik am GFK-Modell

Die GFK ist zu mechanisch  – „so spricht doch niemand“, höre ich oft. Das erscheint nur zum Anfang so. Wie jede neue Sprache, wie ein Musikinstrument oder ein Werkzeug will sie in ihrer Anwendung geübt werden. Die ersten Erfolge stellen sich ganz schnell durch achtsames Zuhören ein.

GFK klingt manipulierend – dann ist es keine GFK! GFK ist es nur, wenn es auch drin ist und nicht dadurch, dass sie drauf steht. Frisch von der GFK begeisterte Menschen neigen oft zum Missionieren (ich eingeschlossen). Das nervt viele, stösst ab. Der Druck hinter dem Missionieren beachtet auch nicht die Autonomie des anderen. Dadurch ist es keine GFK.

Die GFK ist Weichmacherei! Ist sie nicht, erscheint zum Anfang nur so. In der GFK geht es um Klartext, jedoch ohne jemanden platt zu machen. Authentisch sein, Nein sagen, wenn ein Ja nicht ehrlich ist, haben Vorrang und werden trainiert.

Das ist zu schwierig zu lernen. Ja, umso stärker jemand bisher in einem bewertenden, interpretierenden und lösungsorientierten Denken zu Hause war, umso schwieriger ist es da auszusteigen. Es braucht viel Übung, dadurch wird sie immer leichter und selbstverständlicher. Es nicht zu können, macht jedoch das Leben viel, viel schwerer. Kinder erlernen sie übrigens sehr schnell, wenn sie eine entsprechende Anleitung bekommen.

Das machen wir doch schon alles! Ja, machen wir! Überall wo Beziehungen gelingen, sprechen wir GFK - ob bewusst oder unbewusst. Rosenberg hat sie nicht erfunden, er hat sie nur genau beobachtet und beschrieben, so dass wir sie nun bewusst erlernen können.

Sie leben das doch selbst nicht, Herr Eggert! Richtig – 100% bekomme ich nicht hin. Doch fast die Hälfte aller Konflikte, die ich früher hatte, passieren mir heute nicht mehr. Dann gibt es noch ca. ein Viertel, da rausche ich noch rein, bekomme jedoch schnell oder nach kurzer Zeit die Kurve und damit wieder die Verbindung zu mir und oft auch zum anderen. Der Rest bleibt spannend für meine eigene Entwicklung. Wenn ich mal erleuchtet sein sollte, bin ich bei 100%:)).
Mein Leben und meine Beziehungen sind jedoch schon jetzt viel klarer, reicher, gesünder und lebendiger geworden. Ich bin Marshall Rosenberg, allen Trainer/innen, bei denen ich lernen durfte, allen GFK-Begeisterten, allen Seminarteilnehmer/innen, die mich mit ihren Fragen, ihrer Sehnsucht und ihren Zweifeln gefördert haben und allen, die meine wunden Punkte bedient und mich damit aufgeschreckt haben, sehr, sehr dankbar!

Falls Sie bis hier alles gelesen haben, freue ich mich über Ihr Feedback zu diesem Artikel. Was hat Ihnen, warum gefallen? Was nicht?

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